Home > Timmermahn > Literatur

Literatur

Die preisgekrönte Story.

Mit dieser Shortstory holte ich seinerzeit den ersten Preis in der freebound category.
 
 
Eine schicke Madame beobachtet aus dem Fenster ihrer Villa einen mittellosen alten Mann, welcher mit einem ramponierten Eimer in der Hand versucht eine stark frequentierte Autostrasse zu passieren.
Etliche male hupft der alte Mann vom Trottoir auf die Strasse, um im nächsten Moment von gewissenlosen Automobilisten angefahren zu werden. Nach jeder Kollision muss sich der Geschädigte wieder schleunigst auf den Gehsteig zurückziehen um sein Leben zu schützen. Nach einer geschlagenen Stunde bekommt es die Dame mit der Angst zu tun und sie beschliesst dem armen Mann zu helfen. Hurtig schlüpft sie in ihren Trenchcoat und eilt durch ihren luxuriösen Park zur Strasse und sagt zu dem geplagten Mann:
„Gentleman, brauchen sie Hilfe?“
Der Alte, ganz Kavalier, bietet der Dame seinen Arm und schwups haben die Beiden auch schon die Strasse heil überquert!
Der alte Herr staunt nicht schlecht und will partout und durchaus nochmals versuchen auf die andere Srassenseite zu gelangen. Wieder darbietet er der liebenswerten Dame seinen Arm – und die beiden sind abermals an der gegenüber liegenden Boulevardseite angelangt. Der Alte findet nun Gefallen an diesen Überläufen und ohne grosse Anstrengungen gelingt es ihm, sich mit der aussergewöhnlichen Dame für den morgigen Tag zu verabreden, um weitere Überquerungen vorzunehmen.
Tage, Wochen und einige Zeitmaße, finden sich die Beiden nun täglich zum Überqueren. Anfänglich bleiben konsternierte Passanten stehen, aber mit der Zeit hat sich das und man lässt die Beiden gewähren.
Eines Tags sagt die schicke Madame zu dem alten mittellosen Mann:
„Jetzt hör mir mal gut zu du Backe! Mir reichts! Das ist doch schwachsinnig diese einfältigen Überquerungen, wie wär’s mit Heiraten?“
„Jesses“ sagt der alte Mann, „dass ich da nicht schon vorher draufgekommen bin. Klar, lass uns sofort heiraten!“ Und damit wirft er seinen alten Eimer in hohem Bogen in den dichten Abendverkehr und er ward niemehr gesehen.
                                                             
                                                            ***
 
Aus: Timmsey-A Life, Lulu Stays Now With Gershwin / Timmsey-Ein Leben, Lulu lebt jetzt bei Görschwing
aus dem englischen übersetzt von Margaretha Weissner
Copyright 1970 by Timmermahn. Erstveröffentlichung in Alcatraz Vol. 1 No. 2, Berkeley.


Timmermahn / Song des Monats
 
A Happy Trip To The Mines
aus dem Amerikanischen übersetzt vom Margaretha Weissner
 
„ Ein Mann - ein Song, gnadenlos unbarmherzig, freimütig und vital“
San Francisco Chronicle
 

Über den nahen Hügeln hing schon wieder Rauch. Dichter schmutziger Rauch.
Im Eingangsbereich der alten Mine sassen die beiden Männer. Sie schienen nachzudenken.
Ihnen gegenüber, am Ende der Veranda, zwischen Schaukel und Blocktisch sang Minestren sein Lied vom guten Boten, der den Menschen half und nie an sich selbst dachte.
Seine Stimme klang rau.
Es war die Stimme eines rauen Mannes.
Das Lied ging etwa so:
 

Meine Rippen sind gebrochen
Meine Lippen wurzeltrocken
Meine Haare kriegen Locken
Meine Stiefel ohne Socken
In meinen Augen stecken Dornen
In all den Jahren such ich Normen
Nach dem Essen tu ich rauchen
oder eine Frau gebrauchen
 
Hippi hey, hippi ho
Ich muss im Wilden Westen sein
Hippi hey, hippi ho
Ich soll im Wilden Westen sein
Hippi hey, hippi ho
Ich muss im Wilden Westen sein
Hippi hey, hippi ho
Ich soll im Wilden Westen sein
 
Meine Rippen sind gebrochen
Meine Rippen sind gebrochen
Meine Lippen wurzeltrocken
Meine Lippen wurzeltrocken
Meine Haare kriegen Locken
Meine Haare kriegen Locken
Meine Stiefel ohne Socken
Meine Stiefel ohne Socken
 
Hippi hey, hippi ho
Ich muss im Wilden Westen sein
Hippi hey, hippi ho
Ich soll im Wilden Westen sein
Hippi hey, hippi ho
Ich muss im Wilden Westen sein
Hippi hey, hippi ho
Ich soll im Wilden Westen sein

In meinen Augen stecken Dornen
In meinen Augen stecken Dornen
In all den Jahren such ich Normen
In all den Jahren such ich Normen
Nach dem Essen tu ich rauchen,
rauchen, rauchen, rauchen, rauchen,
rauchen, rauchen, rauchen, rauchen,
oder eine Frau gebrauchen
 
Refrain//
Hippi hey, hippi ho, hippi hey, hippi ho
Hippi-hippi-hippi-ho
Ich muss im Wilden Westen sein
Hippi hey, hippi ho, hippi hey, hippi ho
Hippi-hippi-hippi-ho...


+++
 

-----------------------------------------------------------------------------------